Damian Thater

Slides zum Talk über Motivation

30.09.2017

Slides zum Talk über Motivation

Argh! Earthlings! hat 8 Jahre benötigt, bis es von der ersten Codezeile bis in den App Store schaffte. Wie ich es geschafft habe so lange am Ball zu bleiben, habe ich in meinem ersten Talk mit dem Thema “Motivation” zusammengefasst.

Wie im Talk versprochen, folgen hier die Slides zum Download (PDF) und einige Anmerkungen.


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Intro: Begrüßung und kurze Selbstvorstellung.

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Argh! Earthlings! entstand ursprünglich 2009 aus einer Demo, mit dessen Hilfe ich Objective-C lernen wollte. Kurz zuvor hatte Apple das iPhone auf den Markt gebracht und der App Store bot Indie’s das ungeheure Potenzial, unkompliziert eigene Projekte zu publizieren. Das Potenzial wollte ich gerne nutzen. Die Ressourcen für die Demo habe ich den Büchern entnommen, die ich Jahre zuvor verfasst hatte und privat drucken ließ.

Die meiste Arbeit floß in die Adventure-Engine, Grafiken, Sounds sowie die Nacharbeiten ein. Dabei ging einiges recht flott von der Hand, einiges wiederum nicht. Um dennoch am Ball zu bleiben habe ich versucht mich auf unterschiedliche Weise zu motivieren.

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Thementitel: “Motivation” - Überstehen von Langzeitprojekten (“Motivation” - Surviving Long-Term Projects)

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Zunächst einwenig Psychologie.

Voraussetzung für den Antrieb ein Projekt mit unbekannter, vermutlich sehr langer Entwicklungszeit anzugehen, ist die richtige innere Einstellung.

Zunächst ist eine positive Grundeinstellung A und O, um dein Projekt nicht vorzeitig abzubrechen, oder sogar um damit zu beginnen. Das Einfachste hierzu ist seine eigenen besten Eigenschaften in den Vordergrund zu legen. Hast du ein Händchen für’s Zeichnen, sollest du das Projekt um diese Fähigkeit herum konzentrieren.

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Aber auch wenn du gut in einer Disziplin bist, und von dir überzeugt bist, solltest du deine Fähigkeiten nicht überbewerten. Im Laufe der Zeit triffst du sicherlich auf einige Personen, die bei weitem besser sind in dem was du selbst tut. Das kann schnell entmutigend wirken und letztendlich dein Projekt gefährden. Also, ist es besser von Beginn an bodenständig zu bleiben und immer rational und relaxed an die Sache ranzugehen.

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Vor allem solltest du nicht dem Trugschluss unterliegen, dass mit dem Projektende dir automatisch, und über Nacht, der große Reichtum in den Schoß springt. Rechne damit vielleicht nicht einmal die Investitionskosten einzuholen. Das ist sehr ernüchternd. Aber leider oft wahr. Das kann bei manchem zu starken Depressionen führen. Konzentriere dich lieber auf die Leistung als solche.

Wenn du schnell Geld machen willst, solltest du einen anderen Ansatz wählen und viel besser dein Budget und deine Ziele planen. Auch kleinere, einfache Projekte würden dich vermutlich schneller ans große Geld bringen, als ein großes, risikobehaftetes Mammutprojekt.

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Fakt ist: Depression ist ein unmittelbarer Show-Stopper.

Damit du dein Projekt dennoch erfolgreich beenden kannst, solltest du stets mit Humor an die Sache rangehen und veruschen der bevorstehenden Arbeit mit Spaß zu begegnen. Humor ist ein starker Motivator.

Zusammengefasst läuft es darauf hinaus, dass Humor und eine positive Einstellung den Hauptantrieb bilden und Depression und Illusion das Projektaus bedeuten können. Während das Erste gewünscht ist, sollte man das Letzte vermeiden.

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Nun zu den Handwerkzeugen.

Wenn du dich entschlossen hast ein Projekt mit unbekannter Dauer zu beginnen, ist es wichtig klein anzufangen. Dein Projekt wird schnell komplex.

Es ist äusserst frustrierend an einem frühen Punkt der Entwicklung stecken zu bleiben, nur weil die Herausforderung einem “über die Ohren” wächst. Fängt man dagegen klein an, kann man mit der Zeit die nötigen fehlenden Fertigkeiten aufbauen, und so jedes Problem meistern.

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Sobald du deine Vision geformt hast, ist es notwendig die Strecke zum Ziel durch Milestones und Etappen in handliche Pakete zu schneiden. So kannst du zum Beispiel (zu einem gewissen Grad) die Arbeit an der Grafik vom Sound isolieren.

Mit ziemlicher Sicherheit werden die Meisten mit dem Schwerpunkt beginnen, den ihre Skills ausmachen.

Bei Argh! Earthlings! begann ich mit der Engine, da ich ja die Programmiersprache lernen wollte. Gefolgt von den Grafiken. Dann kam der Sound. Am Ende kam die Musik hinzu. Im Nachhinein betrachtet hätte ich die Musik dem Sound vorziehen sollen, da die Musik viel mehr Einfluss auf das Gameplay hat wie die Sounds. Nun ja, es ist eine weitere "Lessen Learned" im Leben.

Der Abschluss einer Etappe bzw. das Erreichen eines Milestones führt zu einer deutlichen Zufriedenheit. Ziele, die nicht abgeschloßen bzw. erreicht werden können führen zur Enttäuschung, Verdruss und sogar Ablehnung.

Also: Miletones festlegen, erreichen, abhaken, zufrieden sein, weitermachen.

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Einige der Milestones werden vermutlich recht komplex ausfallen. Stell dich drauf ein, dass es nicht immer nur Kleckerkram ist, den du in deinem Projekt zu erledigen hast. Die dicken Brocken müssen schließlich auch erledigt werden.

Um diese zu meistern, solltest du dich mit aufkommenden Komplexität anfreunden. Es gibt Spannendes beim Lösen von kniffligen Rätseln zu lernen, also freu dich, wenn du mal eine Kopfnuss knackst!

Ausserdem wirst du mit jedem Tag immer besser und irgendwann werden die komplexesten Aufgaben genauso betrachtet werden wie alle anderen.

Bei Argh! Earthlings! hat mir die Kollisionsberechnung der laufenden Figuren Wochenlang schwer im Magen gelegen. Es gab keinen konkreten Ansatz, wie ich das Labyrinth-Problem auf einem iPhone - damals ein schwachbrüstiges 3G - meistern sollte. Internetrecherchen brachten nichts hervor, das mir zusagte und so grübelte ich und grübelte, bis ich auf eine sehr einfache, effiziente Methode kam. Ganz allein. Ich war stolz wie Oskar, so etwas Feines entwickelt zu haben. Jahre später kam die Ernüchterung, als ich mich mit ein paar Doktoranden der Mathematik locker über meine Erkenntnisse unterhielt. O-Ton: "Klar, das ist doch A\*...". Entwickelt 1968 (Wikipedia). Bääm! Das hat gesessen. Mein Stolz zerbrach mit einem Mal in tauschend Scherben. Dennoch habe ich nicht aufgehört und weitergemacht.

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Wenn du permanent kompliziertes verarbeitest, raucht dir irgendwann einmal der Schädel. Sind jede Aufgaben innerhalb der Etappe komplex oder zumindest kompliziert, hast du vermutlich deine Aufgaben zu grob eingeteilt. Verfeinere diese lieber vorzeitig.

Es kommt aber oft genug vor, das du die falsche Aufgabeneinteilung zu spät erkennst, und eigentlich schon fast fertig mit deine Aufgabe bist. Um nicht ausgebrannt zu sein, wechsele zwischen leichten und schweren Aufgaben hin und her. So hat dein Kopf die Chance sich in den “ruhigen” Phasen mit trivialer Arbeit zu erholen. Das macht glücklich und das Projekt ist nicht gefährdet.

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Arbeitest du an einer Aufgabe, solltest du dich allein darauf konzentrieren und möglichst wenig ablenken lassen. Bei Multitasking geht zu viel wertvolle Energie beim Schalten verloren. Stört dich etwas, entferne es und setze dich wieder konzentriert an deine Aufgabe.

Es ist sehr demotivierend, wenn man sich eine Aufgabe vorgenommen hat und dann am ende des Tages feststellt, man dann feststellt, man hat ja kaum was geschafft. Wenn es an äußeren Störungen liegt, kannst du dagegen etwas tun und sie verhindern. Das hält deinen Frustlevel unten und die Motivation aufrecht.

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Aber selbst wenn du krampfhaft versuchst dich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, werden deine Gedanken um andere Themen kreisen. In dem Fall solltest du dir Notzen machen. Es geht dabei nicht um neue Ideen auszuarbeiten, sondern um deinen Fokus von, im Moment, unnötigen und belanglosen Ideen zu befreien. Ob eine Notiz wertvoll war oder nicht, entscheidest du einfach nach erledigtem Task. Sorge dafür, dass du die Notizen schnell machen kannst: Zettel + Stift, Schreiben, Weglegen. Wenn du beginnst die Aufgaben umfangreich in Strukturen, wie ein Ticket-System einzupflegen, dann wird aus der Notiz wieder eine längere parallele Aufgabe, und die sollst du ja während der Fokusphase vermeiden. Am Ende ärgerst du dich nur, dass du den gaaaanzen Tag mit Tickets und Notizen beschäftigt warst, anstatt die Aufgabe zu lösen.

Also: Block schnappen, Idee kurz skizzieren, Block weglegen, weiter im Programm, glücklich sein.

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Nach erledigten Aufgaben, bei Sackgassen oder vor drohenden Beschwerden solltest du dringend Pausen machen. Nutze diese Pausen, um deinen Kopf die nötige Entspannung zu geben, sonst läufst du auf einen gesalzenen Burnout zu. Wenn du eine Pause machst, fokussiere dich auf die Ruhe. Wenn du Sport machst, dann genieße den Kontextwechsel und versuche nicht an das Projekt zu denken.

Witzigerweise fallen mir in den Momenten immer die besten Lösungen ein, wenn ich gerade nicht am Problem sitze.

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Da eine eintönige, wiederkehrende Arbeit sehr demotivierend sein kann, solltest du sie wenn möglich automatisieren. Schreibe dir Skripte und Batches, die deine wiederkehrenden Arbeitsschritte erledigen und vereinfachen.

Bei Argh! Earthlings! sorgt ein kleines Skript für die Zerlegung der Grafiken in kleinere Teile, die Skalierung auf unterschiedliche Endformate und teilweise für besondere Effekte. Das Skript ist sehr schnell und ich bin sehr froh.

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Wann immer es geht, solltest du Tests an deiner Applikation oder deinem Spiel durchführen. Je früher du Fehler entdeckst, desto schneller kannst du eingreifen, desto weniger dramatisch sind die Auswirkungen und desto geringer die Chance, dass du die Aufgabe oder gar das ganze Projekt hinschmeißt.

In der Mitte der Entwicklung von Argh! Earthlings! hatte ich gemerkt, dass die Grafik-Engine einen ungeheuren CPU und Memory-Hunger hatte. Ich hatte mich lange gewunden das zu ändern und erzählte mir immer, dass das so sein müsse. Bis sich mit endlich hinsetzte und eine ganz schlanke Alternative entwickelt habe. Das war bitter, denn die Strukturen im Spiel waren schon stark verschränkt und es war kein Kindergeburtstag das Problem zu korrigieren. Mit den nötigen Tests wäre dies evtl. nicht so spät aufgefallen.

Inzwischen habe ich Argh! Earthlings! einen Autopiloten gesponsert, der das gesamte Spiel anhand eines vorgegebenen Walkthroughs durchspielt und so sicherstellt, da a) keine Szene so defekt ist, dass sie unspielbar wird, und b) ich die effektive Spielzeit messen kann. Ein Win-Win-Win also, und ein glücklicher Coder!

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Nach Abschluss eines Milestones solltest du definitiv einen kleinen Rückblick auf deine Leistung und deine Entwicklung werfen. Du wirst staunen, wie viel Arbeit, Zeit, evtl. wieviel Geld in das Projekt geflossen ist, aber auch welche Fehler du gemacht hast. Schaue mit einem lachenden Auge drauf und nimm es nicht allzu ernst. Vor allem aber sei stolz auf deinen Fortschritt.

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An einem bestimmten Punkt wirst du ein presentables Ergebnis deiner Projektarbeit vorweisen können. Überlege ob du ein paar der frühen Werke Anderen vorstellen kannst. Zuspruch durch Verwandte, Bekannte, Freunde und der Community sind großartige Antriebsfedern für die noch kommenden Schritte. Mache dich rechtzeitig auf dich aufmerksam. Spanne evtl. die Zielgruppe mit ein, z.B. über Social Media Kanäle und spezielle Entwickler Foren.

Im Fall von Argh! Earthlings! konnte ich von vielen Testern die eine oder andere Verbesserung aufnehmen, die ich selbst nicht gesehen habe. Die Tatsache, dass sich unbekannte Menschen in dem Projekt wieder erkennen und es sogar mögen, verleit mir immer wieder einen guten Schub das Projekt bis zum Ende abzuschließen und nicht vorzeitig abzubrechen.

Es kommt oft genug vor, dass du das Projekt, das Produkt oder gar dein Tun anzweifelst. Zweifel ist völlig normal, es sollte aber in der Phase der Fertigstellung die Oberhand gewinnen. Denn du bist mit der Arbeit verwachsen und vermutlich schon viel zu sehr betriebsblind. Eine große Community kann da manchmal viel objektiver beurteilen, ob du richtig oder falsch liegst.

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Am Ende wirst du ein Produkt in Form einer Applikation oder eines Spiels in den Händen halten, an dem du evtl. sehr lange gearbeitet hast. Sei stolz drauf! Es ist dein Fingerabdruck in dieser Welt. Und genauso, wie das Ergebnis ein Teil deiner Eigenschaften, Meinungen und Erfahrungen ist, solltest du ein Teil des Projekts werden. Identifiziere dich mit dem Ergebnis und sei von ihm überzeugt.

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Zum Abschluss ein paar Empfehlungen zu Autoren und Speakern, die mich inspirierten und motivierten.

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Thanks


30.09.2017

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