Damian Thater

Lenovo Ideapad 110S-11IBR - Hardware-Test

23.08.2017

Lenovo Ideapad 110S-11IBR - Hardware-Test

Ich habe mir mal die Zeit genommen ein Lenovo Ideapad 110S-11IBR genauer unter die Lupe zu nehmen. Nettes Notebook. Etwas unterdimensioniert, aber nett.

Der Urlaub ist im vollen Gange und die Sonne scheint mir auf die Nase. Leicht, durch der gerade mal zwei Tassen Kaffee von Koffein unterversorgt, surfe ich im Netz und entdecke einen Artikel und ein Video zum Lenovo Ideapad 110S-11IBR.

Es ist klein, leicht, schwachbrüstig und zierlich, sieht aber schnuckelig aus, ist verhältnismäßig günstig und wimmert mir innerlich zu: Bitte, kauf mich! Hätte das Notebook ein Gesicht, würden mich seine großen Kulleraugen, wie die eines kleinen Welpen anwinseln: Nimm mich mit!

Es kostet zwischen 195.- und 249.- €, je nach Farbe. Ich entscheide mich für die rote Variante und kaufe innerhalb weniger Stunden eins bei meinem Notebookanbieter um die Ecke. Der Verkäufer erklärt mir die Features und warnt mich vor den Einschränkungen, die ich ja schon bereits aus dem Internet kenne, aber ich will es haben: Pack ein das Ding! Wie möchten sie zahlen? EC. Danke.

Zuhause angekommen wird das Notebook ausgepackt und der Inhalt sortiert: Notebook, Netzteil, Starthilfe-Flyer, sowie die Warnhinweise sind großzügig verpackt. Es ist alles vorhanden.

Äußerlichkeiten

Die Oberfläche des roten Modells gefällt mir. Sie vermittelt ein angenehmes Gefühl eines besseren Kunststoffs, sowohl außen als auch innen. Leider verbleiben die Fingerspuren auf der Oberfläche sichtbar bestehen… Das gibt einen Punkt Abzug in der B-Note.

Unten gibt es große Gummifüße, die ich aus dem MacBook Air bereits kenne und schätze. Die Standhaftigkeit gefällt mir sehr gut.

Die Unterseite wird mit 11 gut sichtbar angebrachten Schrauben gehalten. Angeblich ist damit der Zugang zum Innern sehr einfach, aber Warnung: Beim Öffnen des Geräts erlischt in der Regel die Garantie! Also lieber den Hersteller um Rat fragen. Da das Notebook keine beweglichen Teile, wie Lüfter und HDD im Innern vorhält, die mit Staub verschmutzen oder durch Erschütterungen aus dem Ruder laufen könnten, gibt es, bis evtl. auf den Akku, keinen Grund das Teil zu öffnen.

Das Notebook hat etwas geringeren Ausmaße als eine DIN-A4 Seite und ist gut 17,8 mm dick (laut Hersteller). Es ist recht leicht, denn es wiegt gerade mal 1.15 kg (Herstellerangabe). Das Netzteil ist mit geschätzten 500g dabei. Insgesamt kann man das Gesamtgewicht von 1,7 kg gut schultern, was auch längere Ausflüge oder Seminare ermöglicht.

Mich hat das Notebook wegen der vorhandenen Anschlüsse interessiert:

Linksseitig:

  • 1x Netzteilanschluß für 20 V (bei 2.25 A)
  • 1x USB 3
  • 1x HDMI Ausgang
  • 1x Micro SD-Card Slot

Rechtsseitig:

  • 2x USB 2.0 Ports
  • 1x Stereo Klinke für’s Audio

Die Scharniere des Displays sind angenehm schwergängig und lassen es nicht sofort wieder zufallen. Das Display lässt sich fast ganz auf dem Tisch aufklappen.

Aufgeklappt gibt es neben dem Schalter noch LEDs zum Betriebsstatus und den Batteriezustand, bzw. dessen Ladeaktivität. Daneben ist ein weiterer mysteriöser Indikator, dessen Funktion mir bis heute schleierhaft bleibt.

Oberhalb des Displays gibt es eine 0,3 MP Kamera und kleine Löcher für die Mikrofone. Neben der Cam ist eine klitzekleine LED für eine Art Notfallbeleuchtung.

Die Tastatur ist, für meine großen Hände, eine kritische Sache. Die Größe, der im QWERTZ-Layout angeordneten Tasten, ist ausreichend, um Emails oder Notizen ähnlicher Länge zu verfassen. Der Druckpunkt ist OK, auch wenn meine Cherry STREAM 3.0 (G230) Desktoptastatur ein viel besseres Handling vermittelt. Aufgrund der Größe ist von einem Nummernblock nichts zu sehen. Das war sogar ein Kaufargument für mich, da ich mit dem Nummernblock viel zu selten arbeite und das Notebook auch mittig ausgerichtet haben möchte.

Doch leider hat die Tastatur auch einige entscheidende Schwächen. Zum einen ist die Leertaste nicht überall gleichmäßig bedienbar. Während es links und mittig mit dem Schreiben gut klappt, ist rechts tote Hose. Da ich oft mit dem rechten Daumen die Leerzeichen setze, ist das schon ein großes Handycap. Das nächste Übel ist, dass sich die Tastenfläche in der Mitte unnötig einen Millimeter oder gar zwei nach unten beugt. Das verleit dem Ganzen einen instabilen Eindruck. Das ist auch der härteste negative Punkt bei der Verarbeitung. Hier ist Lenovo gut beraten ein stabilieres Nachfolgemodell herauszubringen. Die Tasten sind (bei dem Preis) natürlich auch nicht beleuchtet, was ich seit dem MacBook Air schon einwenig vermisse, vor allem, wenn ich unter schlechten Lichtbedingungen einwenig rumklimpern will.

Das Touchpad besitzt separate Tasten und ist einwenig klein. Die Tasten sind beim Drücken im Vergleich zu der Tastatur recht laut, gehen aber zum Glück auch nicht los, wenn man mal zufällig dran kommt.

OK, ran ans Werk. Schmeiß an das Teil!

Der Betrieb

Schritt eins: Flyer lesen, ob irgendwas geheimnisvolles drin steht. Nope. Der Inhalt ist leicht verständlich und nicht überraschend. Also: Start the engines.

Das Notebook bliebt zunächst einmal aus. Offenbar hat Lenovo an der aufgeladenen Batterie gespart. Also Netzteil dran und erneut: ON.

Aha, das Notebook bootet und ist dabei, wie erwartet, sehr leise. Es folgt ein Windows 10 Home Setup und nach ca. 5-10 Minuten kann das Windows Abenteuer starten.

Die Auflösung des Displays ist bei 1366x768 Pixel recht knapp. Auf die Displaygröße gerechnet ergeben sich ungefähr 135 PPI. Die Pixel sind also relativ fein. Entsprechend sind die Buchstaben auf dem Screen recht klein. Zum Glück lässt sich die Textgröße im OS anpassen.

Das IPS Display ist gerade noch so zum direkten Draufstarren ausreichend gut. Ich erwische mich zwischenzeitlich dabei das Display, je nach Sitzposition, mehrfach zu justieren, damit es nicht seine Farben verfälscht. IPS ist wirklich limitiert. Das Display ist, dank “AntiGlare”, matt und spiegelt nur wenig. Im Netz kursieren aber Infos, denen nach es stark spiegelt. Das kann ich nicht bestätigen. Ich empfinge die Spiegelung als gering. Es gibt Schlimmeres… Mit 220 cd/m² sollte das Display für normale, häusliche Umgebungen hell genug sein. Sobald das Wetter es zulässt hohle ich einen Test unter starker Sonneneinstrahlung nach.

Es sind 2x 1-Watt Lautsprecher verbaut, die nach unten abgehen. Der Stereo-Sound somit ist “wahrnehmbar”, aber ich würde mir sparen damit ganze Filme sehen zu wollen. Die Speaker reichen aus, um die Windows-Signale wahrzunehmen. Für bessere Qualität empfehle ich gute Kopfhörer. Über die Klinke geben meine alten AKGs K530 einen schönen Sound wieder. An der Soundkarte ist also nichts auszusetzen.

Entegegen einiger Meldungen im Netz, kann das Touchpad sehr wohl mit Zweifinger-Scrolling umgehen. Ich habe auf einer Webseite, im Windows-Explorer und in der Systemkonfiguration problemlos mit zwei Fingern rauf und runter scrollen können. Auch die linke und die rechte Maustastensimulation mit Einem- bzw. Zwei-Finger-Tap könnte ich unproblematisch nutzen. Mit zwei Fingern zu Zoomen habe ich leider nicht geschafft.

Batterie hällt angeblich bis zu 8 Stunden bei Videowiedergabe durch. Das hört sich doch sehr gut an! Im Normalbetrieb wird die Batterieleistung noch besser sein, denn der Intel Celeron N3060 mit 2x @1.6 Ghz, schaltet je nach Belastung zwischen 450 Mhz und 2.74 GHz hin und her und spart somit Strom.

Der verbaute eMMC Speicher ist mit 100 MB/s noch schnell genug für den kleinen Zwerg. könnte aber mehr, wenns ein echter SATA-anschluß dran wäre. Die “Festplatte” wird nämlich als SD registriert. Diese stellt SanDisk zur Verfügung und sie hat gerade mal 32 GByte, also knapp 29 GB. Laut Lenovo sollen sich auch SSDs bis zu 256 GByte verbauen lassen. Ich frage mich aber wo und welche… evtl. finde ich mehr heraus, wenn ich das Gerät doch mal öffne… Wie auch immer, Windows verschlingt bereits ab Werk ca. 50%, also 16 GB des kostbaren Speichers. Nach einem Update will es sogar 20 GB, sodass lediglich knapp 9 GB für den Eigenbedarf übrig bleiben.

Der Hersteller bewirbt das Notebook mit “Reichlich Hauptspeicher und Speicherkapazität”… Äh - das muss ein Übersetzungsfehler sein, denn wenns nach mir ginge, sollte es eher “Ausreichend Hauptspeicher und Speicherkapazität” heißen müssen. Die 2 GB DDR3L RAM (PC3-10600 DDR3L 1333MHz) sind echt eher grenzwertig wenig. Zwar kann Windows 10 damit besser umgehen als noch Windows 8 seinerzeit (persönliche, bittere Erfahrung) aber für mein Gefühl frisst Windows 10 immernoch zu viel. 2 GB sind heute nicht mal mehr im Billignotebook angemessen, da wären schon 4 zu erwarten. Angeblich kann das Notebook bis zu 4 GB verarbeiten. Hier ist wieder die Frage: Wo und welchen RAM soll man denn bitte bei dem Notebook austauschen können?

Im Inneren werkelt ein 802.11 a/c Wi-Fi Modul und verbindet das Notebook mit meinem WLAN ohne Probleme. Also nehme ich es entspannt hin, dass Windows 10 alle fehlenden Updates nachladen will… was ein mittelschwerer Fehler ist.

Langstreckenmarathon: Windows Update

Das Windows Update auf 1703 dauert ewig… in Worten: EWIG! Es dauert in meinem Fall sogar so lange, dass ich es über Nacht teils im aufgeklappten, teils im zugeklappten Zustand laufen lasse. Überraschenderweise übersteht es ohne Stromzufuhr die Nacht - was gleichzeitig bedeutet, dass es sich im zugeklappten Modus vermutlich einfach schlafen legt und garnicht arbeitet. So kann das Update erst am Folgetag ca. 3 Stunden lang abgearbeitet werden und Windows verkündet endlich voller Euphorie: Installationsfortschritt 25%. Niederschmetternd.

Mir dämmert langsam, dass es evtl. ein Netzwerkproblem geben kann, wenn Windows so träge reagiert. Also ist erst einmal eine Netzwerkprüfung angesagt. Kann meine Default-Kindersicherung auf der FritzBox den Zugriff auf bestimmte IP-adressen verhindert haben? Vorsichtshalber mal ausschalten…

Zeitgleich mit der “Netzwerkoptimierung” ist das Update von Windows abgeschlossen, und der Kleine flitzt erwartet flott, aber nicht berauschend, daher.

Optimierungen

Zeit sich die Festplatte vorzuknöpfen. Da kann ich doch sicherlich noch etwas Ballast entfernen. Lenovo’s Beigaben sind zuerst dran. Es wird alles rausgeschmissen was nicht zum Standard gehört. Dann folgt die unnütze Bloatware von Microsoft. Demo-Office, Spiele-Werbung, Tools, die keiner versteht und all’ so ein Ramsch. Alles muss raus!

Ein kleiner Fehlerteufel in der Kalkulation

In der Phase, in der das System von unnötigen Dateien entlaust wird, rechnet der 64-Bitter sehr gründlich, aber vor allem sehr seltsam: angeblich macht er gleich mehrere Terrabyte Platz… Wow! Cool, bei gerade mal 32 GB macht das schon was aus! Ja man, gib Gummi! Sarkasmus: Aus.

Die Reinigung kann, bei 0% Festplattenaktivität, etwas dauern

Die resultierende Belegung nach dem laaaaangen Aufräumen ergibt 19 GB. Also kaum mehr Speicher für den Eigenbedarf als vorher. Traurig, aber vorhergesagt…

Ich traue dem Braten nicht und schaue mir die Einstellungen der Defragemtierung genauer an. Oh man. Werksseitig sind meine geplante Defragemtierung aktiviert. Was soll das denn bitte? Diese Einstellung ist weder für SSDs noch für eMMCs geeignet. So sollten die Festplatten aussehen:

Keine Defragmentierung von SSDs bzw. eMMCs nötig

Mein Fazit

Oberflächlich ist das Notebook süß, niedlich, leise, stromsparend, handlich, kompakt, leicht, gutaussehend, im gewissen Maße auch anschlussfreudig. Doch genau betrachtet ist es ein absolutes Einsteigergerät mit minimaler Hardware-Ausstattung. Es taugt sicherlich als Tabletersatz, und ist bei weitem kein Wunder der Technik. Für den Pries von 220 € (UVP. 299.- €) ist das tolerierbar. Die Tastatur ist grenzwertig und sollte dringend im nächsten Modell verbessert werden. Das Format und die nicht vorhandenen Laufgeräusche, sowie die lange Laufzeit machen Spaß. Eigentlich is es ein nettes Gerät für den Urlaub. Mal sehen wie sich der Kleine in der Welt unter Realbedingungen so schlägt.

Ach ja… über das vorinstallierte Windows müssen wir nochmal reden.


23.08.2017

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