Damian Thater

Kondensator-Massensterben

13.03.2017

Kondensator-Massensterben

Mein Rechner hatte ja schon einige Betriebsjahre auf dem Buckel, aber seinen spontanen Abgang hatte ich nicht vorausgesehen. Bei der Obduktion des Rechners wurde mir bewußt, dass es clever wäre ein regelmäßiges Wartungs- und Überprüfungszeitfenster einzurichten.

Mit der Zeit wurde mein PC langsam. Einige Prozesse, wie den ewig langen Bootvorgang, hatte ich bereits auf die Liste der Dinge gesetzt, die bei so alten Geräten eben passieren. Ich habe es hingenommen. Andere Prozesse liefen ja noch recht flott, und das gab mir die nötige Hoffnung, mit einwenig Invest in die Kiste vielleicht ein paar Prozentpunkte Leistung herauszuholen. Ich hab ja auch viel mit ihm geschafft, zum Beispiel die vielen Grafiken für Argh! Earthlings!. Er sollte wenigstens mit Würde in die Rente gehen können.

Ich entschied mich ihn um ganze 2 GB RAM aufzurüsten… Früher waren RAM-Upgrades ein äußerst effektives Mittel, um den Rechnern wieder auf die Beine zu helfen, aber… soweit vorweg: es hätte ja auch klappen können.

Beim Aufschrauben des Gehäuses die erste Überraschung:

Eine ganze Reihe Elkos hat ihr Inneres nach Außen gelegt! Soweit ich das einschätzen konnte, war das eher schlecht. Ganze 7 Kondensatoren waren nicht aufgequollen, sondern ausgeflossen. Zum Glück ist (diesmal) keiner der Kondensatoren mit einem lauten Knall geplatzt…

2 von 7 defekten Elkos

Witzigerweise lief der Rechner ja noch - nur eben langsam…

Die zweite Überraschung war also: Wie zum Henker läuft ein PC, dessen 7 Kondensatoren defekt sind? Verbauen die Hardwarehersteller etwa Teile, die man evtl. nicht braucht, vielleicht nur, um den Wert des Mainboards künstlich zu steigern?

Es gibt keinen Grund für Verschwörungstheorien und auch keine Beweise für geplante Obsoleszenz. Fakt ist, dass Defekte an Kondensatoren vorkommen können und diese Defekte auch in Zukunft vorkommen werden.

Nun ja, auch wenn mich meine Erfahrung schon stutzig gemacht hat, wollte ich das Risiko eingehen und mein ursprüngliches Ziel umsetzen. Also hab ich dem Rechner 2 weitere GB RAM spendiert.

Die Quittung kam prompt durch ein lautes Tröten des PC-Speakers:

PIEP! PIEP! PIEP! 

Hm. Irgendetwas stimmt nicht.

Rollback.

Wenn die neuen RAM Module defekt sind, kann der Rechner ja garnicht booten! Bestimmt sind die Module hin. Ganz bestimmt…

Also hab ich den Rechner ausgeschaltet, das zusätzliche RAM ausgebaut und neu gestartet.

PIEP! PIEP! PIEP! PIEP! PIEP! PIEP!

Oh oh. Irgendetwas ist gerade gründlich danebengegangen.

OK. Ich muss den Tatsachen ins Auge blicken: die Kiste ist nun endgültig hin. Ich vermute mal, dass die defekten Kondensatoren in der Nähe der RAM Bänke, dem System nun endgültig den Garaus gemacht haben, als ich sie mit den zusätzlichen Modulen bestückt und belastet habe.

Zum Glück hatte ich noch einen zweiten, kompletten Rechner aus einer ehemaligen Firmeninsolvenz im Haus und konnte nach dem Tausch der Festplatte mit der Arbeit fortfahren.

Glück im Unglück…

Lessons Learned

  • Was kaputt gehen kann geht kaputt. Was heiß wird, wird schneller kaputt. Was Strom aufnimmt wird schneller heiß. Folglich: Was Strom aufnimmt geht kaputt.
  • Einmal im Jahr sollte man sich Zeit nehmen den/die eigenen Rechner gründlich zu untersuchen.
  • Es hilft die Hardware von Staub, Spinnennetzen, Krabbeltieren oder gar Mäusen zu befreien und den Luftstrom zu gewährleisten. (Hab alles schon erlebt!)
  • IT-ler mit Hardware-Sammelwut-Syndrom sollten passende Ersatzteile für geliebte, funktionierende Hardware auf Vorrat bereithalten.
  • “Never change a running system.”
  • Backups. Backups. Backups…

13.03.2017

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